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Interview mit Markus Deusch

Gewinner des Innovationswettbewerbs 2003

Eigentumswohnanlagen in Relation sehen

"Kosten im Griff - Wertsteigerung im Visier", das war das Motto des Verwaltertags 2003 in München. Mit der Verwirklichung einer Datenbank, die genau dieser Thematik Rechnung trägt, hat die Hausverwaltung Potzler GmbH voll ins Schwarze getroffen und den ersten Preis gemacht. Die Redaktion des DIV sprach mit Dipl.-Betriebswirt (FH) Markus Deusch, Geschäftsführer der Firma mit Sitz in München.


Herr Deusch, was war der ausschlaggebende Punkt dafür, ein System zu schaffen, mit dessen Hilfe Sie die Verbrauchsdaten benchmarken können?
Das Thema Betriebskostenvergleich zwischen verschiedenen Objekten lag uns schon lange am Herzen. Von Seiten der Verwaltungsbeiräte, Eigentümer, aber auch Mieter wurde recht häufig nachgefragt, wie die Betriebskosten ihrer Wohnanlage bzw. ihrer Wohnung im Vergleich mit anderen Wohnanlagen zu sehen seien. Es ging uns aber auch darum, unsere Arbeit als Verwalter effizienter zu gestalten. Vor allem noch wirtschaftlicher zu arbeiten. Je schneller und einfacher Ausreißer in der Kostenstruktur identifiziert werden können, umso besser. Umständliche Vergleichsberechnungen mit dem Taschenrechner, später in Form von Tabellenkalkulation und Ähnlichem, wurden mit unserer Datenbank hinfällig. Auch das wiederholte, arbeitsintensive und vor allem fehleranfällige Eingeben von Arbeitsschritten hat sich erübrigt.

Hatten Sie bereits zuvor von einer ähnlichen Vorgehensweise bei anderen Hausverwaltungen gehört und sich davon inspirieren lassen?
Natürlich recherchierten wir im Vorfeld im Kollegenkreis, in der Literatur, aber auch im Internet, ob es für das Problem Benchmarken von Eigentumswohnanlagen schon eine Lösung gibt, wurden jedoch nicht fündig. Von einer ähnlichen Vorgehensweise, wie jetzt die von uns realisierte Lösung darstellt, ist uns nichts bekannt, wir hoffen aber, mit diesem Instrumentarium der Branche insgesamt ein Werkzeug zu liefern, mit dem die stetig wachsenden Anforderungen schneller und besser bewerkstelligt werden können, als dies bisher der Fall war.

Seit wann nutzen Sie die neue Datenbank und wer hat sie für Sie angelegt und mit Informationen gespeist?
Wir nutzen die Datenbank seit etwa einem Jahr. Die Informationen, mit denen sie gespeist wurde, stammen aus den Jahren 2000, 2001 und 2002. In der unter einheitlicher Geschäftsführung stehenden Olympiadorf-Verwaltungs GmbH (ODVG), einer weiteren Verwaltungsgesellschaft, liegen die Daten schon seit längerem in EDV-gerechter Form vor und konnten, nachdem sie anonymisiert wurden, als "Grundausstattung" der Datenbank genutzt werden.

Gibt es Kooperationen mit anderen Hausverwaltungen, die Ihnen faktisch ihre Durchschnittswerte zur Verfügung stellten und Sie diesen im Gegenzug die Vergleichswerte aus Ihrer Firma?
Beim Start der Datenbank haben wir die Werte aus dem Bestand von drei Hausverwaltungen genutzt. Diese haben im Gegenzug die Möglichkeit, kostenlos auf den Benchmark-Vergleich zuzugreifen, sodass ich in diesem Zusammenhang durchaus von Kooperation sprechen möchte. Nachdem die Datenbank in der Lage ist, eingegebene Daten dem zugrundeliegenden Datenpool hinzuzufügen, ist sichergestellt, dass dieser Datenpool ständig größer und in seiner Aussagekraft aktuell ist. Wenn die Werte des Jahres 2003 von uns in die Datenbank eingelesen sind, was voraussichtlich im 1. Halbjahr 2004 geschieht, werden automatisch die Werte des Jahres 2001 aus der Datenbank entfernt. Beide Arten der Informationsgewinnung stellen die Aktualität und eine sich stetig vergrößernde Datenbasis sicher.

Nutzen andere Hausverwaltungsfirmen ebenfalls Ihre Datenbank und haben diese sich finanziell an der Erstellung beteiligt?
An der Entwicklung hat sich finanziell niemand sonst beteiligt. Die Kosten wurden durch die Hausverwaltung Potzler GmbH gedeckt. Da uns zwei weitere Verwaltungsfirmen anonymisierte Daten kostenlos zur Verfügung stellten, dürfen diese die Datenbank ebenfalls nutzen und ihren Kunden die entsprechenden Vorteile weitergeben. Das System ist im Internet unter www.hv-potzler.de verfügbar, deshalb gehen wir davon aus, dass zukünftig auch andere Verwaltungsfirmen diesen Service nutzen werden.

Was hat diese Entwicklung effektiv gekostet?
Diese Frage ist ausgesprochen schwierig zu beantworten, da in die Entwicklung nicht nur erfasste und nachgewiesene Arbeitszeit innerhalb des Betriebs, sondern auch viele Stunden in der Freizeit investiert wurden. So sind beispielsweise die gesamten Textblöcke, die ergebnisabhängig die schriftliche Analyse bilden, in Wochenend- und Abendarbeit entstanden. Insgesamt betrachtet dürften Kosten von etwa 3000 Euro realistisch sein.

Was gestaltete sich bei der Realisierung doch schwieriger als zunächst angenommen?
Beinahe jeder Verwalter nutzt eigene Kontenbezeichnungen, hat eine eigene Systematik beim Aufbau der Abrechnung und muss häufig auch noch spezielle Wünsche bezüglich Kontenbezeichnung, Reihenfolge der Konten und ähnliches seitens der Eigentümergemeinschaften berücksichtigen. Es gibt deshalb Abrechnungen, die mit 15 oder 20 Konten auskommen, andere Abrechnungen erstrecken sich teilweise auf zwei bis drei Seiten mit 40 oder mehr Konten und Kontenbezeichnungen. Der eine Verwalter bucht unter Grünund Außenanlagen alles, was mit Grün- und Außenanlagen zu tun hat, Rasenmäherbenzin, Reparaturen des Rasenmähers etc., ein anderer Verwalter verbucht diese Kosten unter Hausmeistergerätschaften. Die Schwierigkeit für uns bestand nun darin, die vielen unterschiedlichen Kontenbezeichnungen, die unterschiedlichen Buchungsschemata etc. einzelnen Kostengruppen zuzuordnen und damit eine auf 15 Positionen reduzierte, aber dennoch aussagekräftige Übersicht zu erhalten.

Wie kommen Ihre Mitarbeiter damit zurecht? Mussten Schulungen stattfinden, oder ist die Nutzung der Online-Datenbank für die Nutzer selbsterklärend und intuitiv?
Durch die Reduzierung auf 15 Positionen kommen die Mitarbeiter sehr gut mit dem Eingabeinterface zurecht. Jeder, auch der Endkunde, kann die Daten problemlos selbst eingeben. Das Geheimnis liegt darin, dass zu jeder Position ein umfangreicher Hilfetext sofort und online verfügbar ist. In dem Moment, in dem Sie mit dem Mauszeiger auf das Symbol Fragezeichen bei einer Kontenbezeichnung gehen, erhalten Sie Beispiele, welche Kosten in diesem Feld einzugeben sind. Somit ist jeder Eigentümer, jeder Mitarbeiter und jeder Kollege, der eine Abrechnung in Händen hält, in wenigen Minuten in der Lage, alle notwendigen Daten zur Berechnung einzugeben.

Angenommen Sie führen eine Betriebskostenanalyse durch. Wie sieht das konkret für den Kunden aus, welche Unterlagen stellen Sie ihm zur Verfügung?
Jeder Kunde der unseren Betriebskostenvergleich nutzt, erhält auf etwa 10 bis 15 Seiten eine individuelle Auswertung seiner Situation im Vergleich zum Datenbestand unserer Vergleichswohnungen. Das Ziel unserer Arbeit ist es, jedem Nutzer nun ein Werkzeug in die Hand zu geben, mit dem er seine Betriebskosten überprüfen und nach Möglichkeit senken kann. Deshalb erhält jeder Kunde auch in leicht verständ- lichen Worten zu jeder der 15 im Benchmarkvergleich einbezogenen Positionen Erläuterungen, Hinweise aus der Praxis und konkrete Ratschläge, um in seiner Wohnanlage und bezogen auf seine Wohnung die Betriebskosten stabil zu halten oder zu senken.

Sie sagen, die Nachfrage war groß, die Betriebskosten der Wohnanlage mit anderen Objekten vergleichen zu können. Wird die Datenbank jetzt auch entsprechend genutzt?
Unsere Kunden und Verwaltungsbeiräte nutzen den Vergleich mit anderen Wohnanlagen gerne und intensiv. Es sind ja nicht immer nur die Gesamtzahlen von Interesse, unser Benchmark bietet auch ganz konkrete Entscheidungshilfen im täglichen Geschäft. Ein Beispiel: Soll eine Hausmeisterstelle durch einen durch die Eigentümergemeinschaft angestellten Hausmeister in Vollzeit besetzt werden, oder doch nur auf Teilzeitbasis? Oder wäre es vielleicht besser, die Stelle durch einen Hausmeister-Service zu besetzen? Neben vielen anderen Kriterien, wie zum Beispiel der Verfügbarkeit des Hausmeisters, ist die Frage der Kosten sicherlich ein ganz wesentlicher Faktor. Durch die Datenbank können die Beiräte und Eigentümer, die diese Frage entscheiden sollen, ein Kriterium, nämlich die Preiswürdigkeit, sehr schnell prüfen und bei der Wahl der Besetzung der Hausmeisterstelle berücksichtigen. Diese Vorteile werden gerne angenommen und wir sind sicher, dass auch Eigentümer in anderen, nicht von uns verwalteten Wohnanlagen in Zukunft vermehrt auf diese Datenbank zugreifen werden, nachdem wir mit der installierten Serverkapazität unter www.hv-potzler.de nun auch hohe Zugriffszahlen problemlos bewältigen können.

Was machen Sie mit dem Preisgeld, das Sie gewonnen haben?
Ein solches Programm ist nur realisierbar, wenn viele Köpfe daran beteiligt sind. In jeder Phase der Entwicklung haben meine Mitarbeiter den jeweiligen Stand kommentiert und Verbesserungsvorschläge unterbreitet. Jeder hat ein Stück dazu beigetragen, Immobilienverwalter des Jahres 2003 zu werden. Deshalb freuen wir uns auch alle gemeinsam über das Preisgeld und werden einen Teil für eine kleine Feier verwenden. 500 Euro werden wir der Hauner'schen Kinderklinik in München zukommen lassen, was natürlich auch jeder Leser Ihrer Zeitschrift, ohne ein Preisgeld zu erhalten, jederzeit ebenfalls tun kann. Eine weitere "Spende" werden wir wohl zur Sanierung des maroden Bundeshaushaltes in Form von Steuern leisten müssen. Den verbleibenden Rest investieren wir in die Weiterentwicklung unserer Datenbank und der notwendigen Hardware, da in unserer Firma noch viele gute Ideen für innovative Dienstleistungen auf ihre Umsetzung warten.

Interview: Ute Mai
Quelle: Der Immobilienverwalter 7/2003



Das Unternehmen

Gründung der Hausverwaltung Potzler GmbH: vor über 25 Jahren

Schwerpunkt: Wohnungseigentumsverwaltung im Großraum München

Mitarbeiter: inkl. dem Geschäftsführer 14 Voll- und Teilzeitbeschäftigte

Verwaltete Objekte: Bestand von rund 4500 Teileinheiten, in der Mehrheit Eigentumswohnungen (auch Garagengebäude, gemischt genutzte Objekte und reine Mietobjekte)

Ausbildungsbetrieb: Ausbildungsleiterin ist Mitglied des Prüfungsausschusses der Industrie- und Handelskammer in München.

Einheitliche Geschäftsführung: mit der Olympiadorf Verwaltungs - GmbH, die mit denselben hausinternen Qualitätsnormen rund 60 Prozent des Olympischen Dorfes in München verwaltet

Benchmark-Datenbank: die zugrundeliegenden Ausgangswerte stammen aus anonymisierten Abrechnungsergebnissen des Verwalterbestands der ODVG, der HV Potzler und von Verwalterkollegen.

Geschäftsführer: Markus Deusch ist regelmäßiger Referent bei Weiterbildungsveranstaltungen, u.a. dem Bauzentrum in München
 Immobilienverwalter des Jahres 2003
Erstellungsdatum: 12.05.04  |  Letzte Änderung: 02.02.11  |  Kontakt  |  © 2004 HVP